Vom Tennisball zur Regatta – Jugendsegeln in Nonnenhorn

Wenn heute ein gelber Tennisball vor dem Nonnenstein auf dem Bodensee dümpelt, ist das meist kein Zufall – sondern Jugendtraining des Nonnenhorner Seglervereins. Weil der Verein seit nunmehr 50 Jahren besteht, blicken wir in einer kleinen Serie auf seine Geschichte und das Vereinsleben heute. Vom Schlauchboot aus hat der Jugendwart den Ball weit über das Wasser geworfen. Für die Jugendlichen in ihren Optis und Lasern heißt das: Fahrt aufnehmen, wenden, halsen, Aufschießer fahren – und den Ball möglichst punktgenau als Erster erreichen. 

Zum Training gehört auch, eine gekenterte Jolle mit vollem Körpereinsatz wieder aufzurichten. Was heute beim Segelnlernen selbstverständlich ist, war es schon in den Anfangsjahren des Vereins. „Das hat viel Spaß gemacht, die Kenter-Übungen mit den Vaurien-Jollen des Vereins“, erinnert sich ein damaliger Teilnehmer. Und das, obwohl bei der Gründung des Vereins vor 50 Jahren kein einziger Jugendlicher dabei war. Doch die Jugendarbeit stand von Anfang an im Mittelpunkt: Bereits bei der Gründungsversammlung wurde sie als zentrales Ziel festgeschrieben – und noch am selben Abend ein Jugendwart bestimmt.

Schon ein Jahr nach der Gründung hatte der Nonnenhorner Seglerverein 38 Jugendliche zwischen zwölf und 18 Jahren. Und es wurden noch mehr: 1981 waren etwa ein Viertel der Vereinsmitglieder unter 18. Trainiert wurde einmal wöchentlich in der Kressbronner Bucht – und erfolgreich Regatten gesegelt. Die jungen Seglerinnen und Segler nahmen in einem Jahr an insgesamt 14 Regatten teil, darunter an Jugend-Weltmeisterschaften in Belgien und an Deutschen Meisterschaften der Vaurien-Klasse. 1982 starteten drei Nonnenhorner Teams bei der Jugend-WM der Vaurien in Italien – drei von nur sieben zugelassenen deutschen Mannschaften. „Wir haben damals in Nonnenhorn vier Jugendliche gehabt, die bei fast jeder Regatta unter den ersten Zehn waren“, erinnert sich der einstige Jugendwart.

Regatten mit Jugendlichen zu organisieren, die darauf brennen, die Segel zu setzen und zur ersten Tonne zu kreuzen, ist bei Flaute nicht ganz einfach. Bei einer „Obersee-Regatta“ verzögerte sich der Start über Stunden. Später notierte der Jugendwart: „Die Jugendlichen werden immer unruhiger und maulen über alles Mögliche. Wir beschließen gegen Spätnachmittag, die Regatta nicht mit einer Wettfahrt, sondern mit dem für abends vorgesehenen Vesper zu beginnen. In einer Viertelstunde müssen wir 15 kg Leberkäse und 120 Semmeln sowie 5 Kasten Limo und 2 Kasten Bier ausgeben. Danach ist satte Ruhe.“

Die Förderung des Nachwuchses ließ sich der NhSV einiges kosten. Bereits 1976 – im Gründungsjahr – floss mehr als ein Drittel des Vereinsbudgets in zwei Jugendjollen samt Segelsatz. Rund 4.200 D-Mark wurden investiert. Später kamen weitere Boote hinzu, darunter ein Hobie-Kat und mehrere Optimisten. Das Engagement blieb nicht unbemerkt: 1982 erhielt der Verein den Zuschlag zur Ausrichtung der Internationalen Deutschen Jugendmeisterschaft der Laser. 54 junge Seglerinnen und Segler kämpften sechs Tage lang vor Nonnenhorn um gute Platzierungen.

Ab Mitte der 1990er-Jahre wurde die Jugendarbeit weiter ausgebaut. Eine Jüngstengruppe für Kinder zwischen sieben und zwölf Jahren entstand. Hinzu kamen später Schnuppersegel-Nachmittage im Rahmen des Nonnenhorner Sommerferienprogramms – ein Angebot, das bis heute viele Kinder erstmals an die Pinne bringt.

Natürlich bleiben nicht alle, die in Nonnenhorn das Segeln gelernt haben, dabei. Aber viele absolvieren mit 14 Jahren die Prüfung zum Bodenseeschifferpatent. Sie sind in ihren Jollen bei Vereinsregatten und Wanderausfahrten dabei, einige segelten auch Mittelmeertörns mit. Und nicht wenige haben längst ihr eigenes Boot im Nonnenhorner Hafen liegen – oder segeln mit viel Freude an ihrem neuen Wohnort.  Das Jugendtraining des NhSV findet immer Mittwochnachmittag statt. Interessierte Kinder und Jugendliche sind gern gesehen.

Karin Wehrheim
Fotos: Eugen Feldkircher, Karin Wehrheim

Nonnenhorner Seglerverein e.V.

 

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